Religion und Glauben in der RD

wutti
Es wurde jetzt schon öfters hier im Forum die verschiedensten Vergleiche zwischen der Dominikanischen Republik und Deutschland/Österreich angestellt.
Ich möchte hier wieder mal einen Vergleich starten, sofern das möglich ist.

Bei uns gibt es ja sehr viele verschiedene Glaubensrichtungen und Religionen. Ebenso hat bei uns in den letzten Jahrzehnten innerhalb der Familie der Glaube stark an Stellenwert verloren.
Wie verhält es sich damit in der Dominikanischen? Sind dort die Menschen gläubiger als bei uns?
Welche Religionen gibt es in der RD und vor allem was unterscheidet sie zu unserer?
Welche Erfahrungen habt ihr gemacht, was den Glauben in der RD betrifft und welchen Stellenwert hat der Glaube und die Religion im Alltag einer Dominikanischen Familie?
Wie gehen Eure dominikanischen Partner damit um bzw. hat sich ihre Einstellung darüber geändert, als Eure Partner nach Europa gekommen sind?
Planner
Ob sie tatsächlich gläubiger sind? Schwer zu sagen. Auf die 10 Gebote wird dort jedenfalls weitaus mehr gepfiffen als hier.

Einige Beobachtungen:

Die Kirchen sind an Sonn- und Feiertagen gequetscht voll.
Regelmässiger Kirchgang scheint trotzdem nicht weit verbreitet zu sein.
Die verschiedenen protestantischen Sekten/Gruppen aus den USA haben enormen Zulauf.
Viele Priester dieser Sekten/Gruppen werden aber als ziemlich geldgeil charakterisiert.
Die sog. "brujas" sind neben dem Tourismus wohl der florierendste Wirtschaftszweig in der DR.
Lästerliche Bemerkungen kommen gar nicht gut an.
Die Aussage, man sei Atheist, macht einen zu einer ausstellungswerten Absonderlichkeit.
Meine Frau würde am liebsten jedes Wochenende zu einer Madonna der verschiedenen Wallfahrtsorte in unserer Region fahren. Und sie würde am liebsten auch alle andren Orte in Deutschland besuchen.
Mit ihrer Religionsgemeinschaft (Baptistin) hat sie seit ihrer Ankunft aber keinmal Kontakt aufgenommen.

Wie soll man dass jetzt werten? Mir scheint, dass sich da jeder seinen individuellen Religionscocktail zusammenstellt (häufig auch mit einen mehr oder weniger großen Schuss Voodoo) und sich vor allem um organisierte Religiosität kaum schert
tranquilo
Hola a todos,
also so weit ich weiß sind ja mehr als dreiviertel der Menschen in der RD katholisch. Meine Bekannte in der RD hatte auch eine Art Heiligenschrein auf der permanent eine Kerze brannte. Aber nach allem was ich beobachten konnte geht diese vorgespielte Religiosität doch sehr an der Realität vorbei. Auf der einen Seite alle schwer glaubig auf der anderen Seite wird nicht so wirklich nach Christlichen Maßstäben gelebt. Also ne ziemlich Heuchelei, Doppelmoral wie ich finde. Vielleicht habe ich aber bisher auch nur die verkehrten Leute kennengelernt, kann ja auch sein.

Mucho saludos
tranquilo
luislui
Hola,

wer ist den religös oder besser wann ist man religös ?
Ist man religös wenn man Sonntags in die Kirche geht ?
Ist man nur dann religös wenn man nach den Geboten lebt ?

Ich glaube nicht das die Dominikaner religiöser oder weniger religiös sind als wie wir hier in Europa. In der RD. sind zwar über 80% der Bevölkerung römisch katholisch und viele davon gehen vielleicht auch Sonntags in die Kirche aber ob sie deshalb gläubiger sind wage ich zu bezweifeln. Meine Frau gibt auch an religiös zu sein sie betet auch täglich aber oftmals kommt es mir so vor als ob sie nur betet damit ihre Hoffnungen erfüllt bzw. ihre Ängste gelindert werden und dies ist ja nicht der Sinn des betens, aber wieviele hier bei uns die Sonntag für Sonntag in die Kirche gehen machen es denn genauso ?

Ich bin nicht derjenige der an Sonn u. Feiertagen jemand anderen den Platz in der Kirche wegnimmt ich bin zwar r.k. und werde es wahrscheinlich auch immer bleiben aber ob ich religös bin kann ich nicht sagen ich bin gläubig das kann ich mit Sicherheit behaupten aber deshalb muss ich nicht das glauben was mir der Pfarrer in der Kirche predigt.

Adios
Luis
wutti
Also, wie viele von euch vielleicht schon wissen, haben mein Mann und ich in der Dominikanischen Republik geheiratet. Wir sind beide römisch katholisch erzogen. Ich wollte immer in einer Kirche heiraten, was wir auch dann in Puerto Plata getan haben.
Dies ist nun schon 12 Jahre her, aber mir damals etwas aufgefallen.
Die Kirche hat ja gewisse Regel aufgestellt, die man als Katholik befolgen sollte, wenn man ein Sakrament empfangen will.
Diesen Regeln werden aber meist bei uns nicht so große Bedeutung zugesprochen. Jeder weiß dass es sie gibt, aber die Meisten halten sich nicht daran. Und schon gar nicht, wird man separat darauf hingewiesen.
Eine dieser Regeln besagt, dass das Paar am Tag vor der Trauung nicht im selben Zimmer und schon gar nicht im selben Bett schlafen dürfen. Nun, in Österreich schert sich keiner um diese Regel und man wird schon gar nicht separat darauf hingewiesen.
Zu meinem Verwundern, war das in der RD anders.
Der Priester, der uns traute machte uns doch tatsächlich darauf aufmerksam, dass wir die Nacht vor der Trauung nicht im gemeinsamen Bett verbringen dürften. Er ging sogar noch ein Stück weiter. Er machte uns auch ganz deutlich klar (er unterstrich das noch mit einer typischen Handbewegung, da wir damals noch kein Wort spanisch sprachen), das es verboten sei, in der Nacht vor der Eheschließung Sex zu haben.
Außerdem ersuchte er meinen Mann höflich aber bestimmt, dass er für die Zeit der Trauung, seinen Ohrring entfernen sollte. Ich persönlich kenne keinen Priester hier bei uns, der nur im entferntesten Anstoß daran nimmt, wenn ein Mann einen Ohrring bei der Trauung trägt.

Vielleicht hatten wir aber auch nur einen erzkonservativen Priester erwischt, aber das waren 2 Beispiele, wo mir persönlich doch aufgefallen ist, dass in der RD die Gesetzte und Regeln bezüglich der röm.Kath. Kirche doch etwas genauer vollzogen werden, als es bei uns der Fall ist.

Und was hier Einige von euch beschrieben haben, wo es darum geht, dass dominikanische Frauen einen großen Bezug zu Madonnen haben, habe ich auch in meinem Bekanntenkreis erlebt. Was dabei für mich irgendwo erstaunlich ist, dass es sich dabei eben um junge Frauen handelt. Bei uns sind es meist die älteren Jahrgänge, die einen Wert auf zb. Madonnenfiguren legen.
Wenn ich zb. einer meiner Freundinnen ein Madonna schenken würde, die wüssten nicht, was sie damit anfangen sollten.
Wenn ich aber mit meiner dominikanischen Freundin in einen nahegelegenen Wallfahrtsort fahre und mit ihr die Kirche besuche, dann fällt sie mir um den Hals und bedankt sich.
Beide sind gleichen Alters und genau diese Tatsache hat mich auf die Idee gebracht zu versuchen, dies hier zuhinterfragen.

Zitat:
wer ist den religös oder besser wann ist man religös ?
Ist man religös wenn man Sonntags in die Kirche geht ?
Ist man nur dann religös wenn man nach den Geboten lebt ?


Das ist eine gute Frage und sorgt sicher für viele unterschiedliche Meinungen, wie schon so oft! Ich denke, dass muss jeder für sich selbst entscheiden.

Für mich hat Glauben nichts mit der Kirche zu tun. Die Kirche ist meines Erachtens gleichzusetzen mit einem Verein. Die Kirche ist, wenn man so will, das Vereinshaus, wo man sich unter anderem trifft, um mit Gleichgesinnten zusammen zu sein. Und die Kirchensteuer ist der Mitgliedsbeitrag, den man bezahlt, um diesen Verein zu unterstützen.

Man ist nicht automatisch gläubig, nur weil man jeden Sonntag in die Kirche geht.
Beten kann man überall. Das Gebet und der Glaube ist nicht weniger wert, wenn man das zb. auf einen für sich selbst bestimmten Lieblingsplatz tut.

Normalerweise ist es doch so, dass die Eltern bestimmen, welcher Religion man angehört. Bei der röm. kath. Kirche, indem die Eltern ihr Kind taufen lassen. Das ist der Eintritt in diese Glaubensgemeinschaft. Danach durchläuft man mit den Jahren verschiedene Stationen, wo die Dazugehörigkeit immer wieder gefestigt wird (Erstkommunion, Firmung, Ehe). Jeder Mensch hat die Möglichkeit das irgendwann zu ändern, indem er von dieser Gemeinschaft austritt. Den Verein verlässt.

Aber....das heisst nicht automatisch, wenn man den Verein verlässt, dass man dann auch nicht mehr gläubig ist und einem der Glaube nichts mehr bedeutet.

Zitat:
Meine Frau gibt auch an religiös zu sein sie betet auch täglich aber oftmals kommt es mir so vor als ob sie nur betet damit ihre Hoffnungen erfüllt bzw. ihre Ängste gelindert werden und dies ist ja nicht der Sinn des betens


Ich denke schon, dass das unter anderem der Sinn des Betens ist......und "das Danken", was meines Erachtens das Wichtigste sein sollte.

Beten verändert nicht die Welt.
Aber beten verändert die Menschen,
und Menschen verändern die Welt.
(Albert Schweitzer)