Mercury verniedlicht das Ausmaß der im Augenblick in der Dominikanischen Republik herrschenden Kriminalität. Im letzten Jahr war der Rekord in zwei Monaten 118 Morde! Das in einem Lande so groß wie die Schweiz oder Niedersachsen. Auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet müßten wir in Deutschland 1.000 Morde in zwei Monaten haben. Davon sind wir glücklicherweise weit entfernt. Im letzten Jahr wurden zwei Touristenhotels (Las Terrenas, Maimón) von Polizisten überfallen. So etwas habe ich von Deutschland noch nicht gehört. In Deutschland laufen auch nicht so viele Leute mit einer Waffe herum.
Es wird auch nicht „denn mal jemand überfallen“ sondern was wir von Überfällen auf unserer letzten Reise gehört haben, überstieg alles bisher Dagewesene. Früher wurden die Leute einfach ausgeraubt. Heute bringt man sie um, um Zeugen zu beseitigen. Die Kriminalität ist brutaler geworden.
Wir gehen nicht so weit, daß wir sagen, jeder ist dort ein potentieller Verbrecher. Wir sind nach wie vor der Meinung, das ist eine absolute Minderheit. Das Problem der Ordentlichen ist nur, daß keiner weiß, was ist das für ein Typ, dem ich da begegne. Nach dem zweiten Überfall reiste ständig die Angst mit uns. Immer, wenn wir in der Einsamkeit – wir gehen meistens dorthin – jemandem begegneten, war die bange Frage, ist er gut, ist er böse? Was uns noch aufgefallen ist, ist die Angst der Einheimischen vor den eigenen Banditen. Wir sind noch nie so oft vor ladrones gewarnt worden wie im letzten Jahr. Uns haben noch nie so viele Menschen, auch Dominikaner, gesagt, daß sie Angst hätten. Früher verabschiedeten uns die Leute mit vaya con díos, bien viaje; heute heißt es nur noch cuidense (Seien Sie vorsichtig)!
Wir wurden letztes Jahr das zweite Mal überfallen und sind zwei möglichen Überfällen durch rechtzeitige Flucht entgangen. Wir wandern viel, auch in Deutschland, besonders sonntags früh, wenn noch alles schläft. Bisher gab es noch keine kritische Situation. In einem Punkte hat Mercury Recht, es gibt dort keine kriminellen Situationen, die nicht auf der ganzen Welt eintreten können, bis auf die unrechtmäßigen Enteignungen, die absolute Rechtsunsicherheit. Hier gilt, nur wer Geld hat, hat auch Recht!
Mercury hat auch darin Recht, der Bericht bot wenig Information. Er war einseitig gefärbt, darin gebe ich Sonne66 und Alejandrina Recht.
Wir waren zweimal in Rancho Arriba (im Bericht hieß es immer Arribe). Auf einer unserer Wanderungen von Mahoma nach Rancho Arriba begegnete uns der Nachbar des Kaffeefarmerehepaares. Auch ein Schweizer. Er fuhr eine teure Jeepeta, war gut angezogen und machte auf uns den besten Eindruck. Den Namen nenne ich nicht. Wir unterhielten uns ca. 15 Minuten sehr angeregt. Ich drängte dann auf Fortsetzung des Marsches, denn die gesamte Strecke betrug etwa 16 km, und wir mußten das letzte Fahrzeug von Rancho Arr. nach Ocoa bekommen, weil wir dort wohnten. Im letzten Jahr hatten wir von dem begüterten Schweizer noch mehr Positives gehört, so daß wir beschlossen, ihn dieses Jahr (200

-Das Smily ist nicht von mir und ich bekomme das auch nicht weg! da soll 2008 stehen - zu besuchen.
Wenige Tage später erfuhren wir, daß er ermordet worden war, weil er zwei dominikanische Arbeiter ins Gefängnis gebracht hatte, weil sie einen haitianischen Arbeiter vergiftet hatten.
Für den, der wenig von uns weiß: Wir waren 15 mal drüben – insgesamt 127 Wochen, 13 mal sind wir mit dem Rucksack durch das Land gezogen. Wir kennen viele Leute drüben. Über 150 Dominikaner, bei 59 haben wir gewohnt – im Gegensatz dazu nur bei 6 Europäern. Von letzteren kennen wir 53. Die Anzahl derer, die in Wohlstand leben, kann man an einer Hand abzählen. Wir sind auch ganz sicher, daß der Wohlstand nicht im Lande erworben wurde. Von einigen wissen wir, daß bei Bedarf oder ständig Geld aus der Heimat fließt.
Und noch ein Punkt, den man nicht vergessen sollte: Von keinem wissen wir, daß er so viel Geld drüben verdient, daß er fürs Alter vorsorgen kann.
Insofern ist der Bericht gar nicht schlecht, denn die Anzahl der Erfolgreichen ist sehr klein. Und wenn es dann mal jemand geschafft hat, dann kommt Noel und zerstört seine 60.000 Platanepflanzen. Seine Arbeit von mehreren Jahren war um sonst. Wenn dann kein Geld mehr da ist, ist man am Ende. Jede andere Darstellung könnte Optimisten verleiten, blauäugig zu werden.
Als wir noch keine Website hatten, erhielten wir jedes Jahr 60 – 80 Anfragen von Leuten, die auswandern wollten.
An diesem Forum gefällt mir besonders der Umgang miteinander. Es gibt Foren, da nutzen die Residenten ihre rechtlichen Freiräume rücksichtslos aus, indem sie andere verleumden, beschimpfen und mit Unrat bewerfen.
Viele Grüße
Günter