Rundreise

ricardo
Ich habe meinen Bericht über eine Rundreise Ende Juni/Anfang Juli schon mal in einem anderen Forum geposted. Vielleicht mag ihn ja auch hier jemand lesen.

salu2, ricardo (el mayimbe)

Teil 1
Nachdem ich mich wieder einigermaßen eingelebt habe, hier einige Eindrücke von einer Rundreise, die ich mit der novia und ihrem Töchterchen gemacht habe.

Am Abend vor dem Abflug rufe ich meinen Kollegen an, ob er uns nicht nach Brüssel bringen kann. Ich krieg das ganze Gepäck ( 3 Koffer mit je 30 kg, 1 Reisetasche 25 kg und 3 x Handgepäck) einfach nicht in meinem Auto untergebracht. Um 5.00 Uhr stehen Mike und sein 5er Kombi tapfer vor der Tür.

Flug mit Iberia von Brüssel via Madrid nach SDQ. Transfer in Madrid vom Terminal 4 zum Terminal 4S zu Fuß und mit metroähnlichem Zug dauert eine 3/4 Stunde. Iberia fliegt entgegen einigen Voraussagen hier im Forum pünktlich, in der Holzklasse deutlich mehr Beinfreiheit als bei LTU oder Condor. Getränke während des Flugs gratis, auch Bier, muß man aber selbst holen.

In SDQ angekommen, hebt sich der taxista, der uns nach Boca Chica bingen soll, fast nen Bruch mit meinen Koffern. Das wird teuer. Immerhin, anders als beim letzten Mal sind alle Koffer angekommen.

Die ersten 3 Tage bei Hany http://www.ferienwohnung-domrep.de/index.htm

Einfache, aber ruhige und saubere Unterkunft, in Los Coquitos. Hany ist eine liebe Frau und auch ihr junger Rottweiler Joya nicht wirklich gefährlich. Ein deutsches Ehepaar, ebenfalls zu Gast, moniert, dass die Dusche kein Warmwasser hat. Ich habe in Cuba mit ´ner Schöpfkelle und ´nem Eimer geduscht, verglichen damit ist das hier das Ritz.

Am nächsten Abend Eintreffen der Schwester und zahlreichen sobrinas zwecks Übergabe des Spendengepäcks. Ropas, carteras, zapatos, die ganze Palette. Ich frage mich, wie man soviel Klamotten in 2 Koffer bekommen kann. Mit dem Zeug hätte ich in der Duarte ne second-hand-Boutique aufmachen können. Als alles verteilt ist, sind alle zufrieden.

Boca Chica hat mir nie wirklich gefallen, zu viele 6-Touris und putas, seit dem letzten Besuch vor 2 1/2 Jahren scheint es aber ruhiger geworden zu sein, oder die Szene hat sich verlagert.

Tagsüber gucke ich in der Strandbar von Adriano, einem Italiener, der lange in Deutschland gelebt hat, einige Achtelfinales.

Am Mittwoch kommt der Mietwagen von http://www.dominicanrentcar.com/
eine Jipeta Honda CRV, zwei Stunden früher als erwartet. Frau Stolle kommt extra aus Puerto Plata, um den Wagen zu bringen - ohne Aufpreis! Wir vereinbaren, dass ich ihn vor dem Rückflug in Las Americas wieder zurückgebe.

Am nächsten Morgen Aufbruch nach Cabarete. Schon auf den ersten Kilometern Richtung Capital wird mir klar, dass es im dominikanischen Verkehr nur eine Regel gibt: keine Regel ! Jeder fährt gegen jeden, wie auf einem überdimensionalen Auto-Scooter auf der Kirmes. Als ich kurz vor dem Flughafen vor einer roten Ampel halte, rauschen alle links und rechts an mir vorbei. Der hinter mir hupt wie ein Blöder, also fahre ich auch bei Rot, gibt ja keine Punkte in Flensburg.

Obwohl es in Santo Domingo kaum Schilder zur Autopista Duarte Richtung Norden gibt, finden wird diese, ohne uns zu verfahren. Dort die nächste wichtige Erfahrung: das langsamste Fahrzeug fährt grundsätzlich links auf der Überholspur, schwere Sattelschlepper quälen sich mit 30 km/h bergauf, auf der rechten Spur wird zweispurig überholt. Ich will ja mal nach Südafrika, da kann man schon mal Linksverkehr üben.

In La Vega Boxenstopp bei einem PicaPollo. Dann weiter nach Bonao und über die Cordillera Septentrional zur Küste nach Sabaneta. Wunderschöne Landschaft, blitzsaubere Dörfchen mit bunten Hütten, diese Teilstrecke hat mir mit am besten auf der ganzen Reise gefallen. Die Novia sitzt derweil mit geschlossenen Augen und verkrampften Fingern auf dem Beifahrersitz, die Serpentinen bergauf und bergab sind nicht so ihr Ding. So kann ich einen Blick auf die weiteren Schönheiten entlang der Straße werfen. Ay que culo.

In Cabarete treffen wir Eliza, eine Freundin, die über zwei Jahre in Deutschland gelebt hat und jetzt mit ihren Kindern zurückgegangen ist. Ihr Mann wird im Laufe des Jahres folgen. Stolz zeigt sie mir den Rohbau des Billard, den sie gerade baut, um künftig damit Geld zu verdienen. Herzliche Aufnahme bei ihrer Familie, auch hier viele Schwestern und noch mehr Kinder.

Von Cabarete bin ich ziemlich enttäuscht. Ich war 1993 hier und jetzt ist der Ort nicht mehr wieder zu erkennen. Beidseitig der Durchgangsstrasse alles total zugebaut, der Strand ist von der Strasse nicht mehr zu sehen. Auf der Strasse ständig Verkehrschaos, eines nachmittags stehe ich eine 3/4 Stunde im Stau, weil sich zwei große Reisebusse festgefahren haben. Der einzige policia, der versucht, den Verkehr zu regeln, kapituliert schon bald. Egal, man hat ja Urlaub.

Am Strand selbst Preise wie im Puff, da ich aber Deutschland - Argentinien sehen will, gönne ich mir ein paar pequeñas für schlappe 90 pesos.

Dann schon lieber an den wilden Strand etwas außerhalb von Cabarete, wo ein rio in´s Meer mündet und wir mit einigen wenigen dominicanos allein sind.

Lecker das desayuno dominicano beim deutschen Bäcker Dick in Cabarete, auf das ich mich jeden Morgen freue.

Samstag abend dann a bailar. Die Kleine bleibt bei Eliza´s Mutter und el mayimbe läuft mit 5 muchachas im örtlichen colmado auf, wo guter Bachata läuft. Allerdings so laut, dass man sich nicht lange innen auf der Tanzfläche aufhalten kann, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen.

Also setzen wir uns draußen hin, müssen aber immer wieder mal mit unseren Stühlen beiseite rutschen, wenn ein Auto auf der schmalen Strasse vorbeifährt. Auch nicht ganz ungefährlich. Ich bin der einzige gringo da und fange gerade an, mich nach ein paar grandes wohl zu fühlen, als die Damen beschließen, nach Cabarete an den Strand zu fahren, wo es ein Konzert beim Presidente Verano Festival geben soll. Wer da spielt, wissen sie aber nicht. Mir ist klar, dass ich nicht protestieren brauche, die sind zu fünft und ich allein. Also vamos pa´lla.

Ein Bekannter von Eliza mit Auto erkennt zuerst unser Transportproblem und dann seine Berufung zum Taxifahrer. Nach einigem Verhandeln bringt er uns nach Cabarete, insgesamt sind wir 8 oder 9 Personen in dem Auto.

Gegen 23.00 Uhr treffen wir am Strand ein, der schon voller Leute ist. Schnell finden wir heraus, dass Moreno Negron spielen sollen, die sind aber noch unterwegs, kann noch was dauern. Währenddessen legt ein DJ auf, erst guten Reggaeton, dann aber plötzlich nur noch Techno. Love Parade in Cabarete. Diese Musik wird sich mir nie erschließen.

Um 2.00 Uhr nachts dann endlich Moreno Negron, Mambo-Merengue de la calle, chicho riso habe ich ja schon überall gehört, jetzt aber live mit diesen tigueres und die Mädels flippen aus.

Nach dem Konzert haben wir wieder das Transportproblem. Nach einigem Warten fahren wir getrennt mit conchos nach Hause.

Ich will eigentlich noch Chris in Sosua treffen, aber irgendwie vergeht die Zeit zu schnell. Schade, vielleicht beim nächsten Mal.
ricardo
Teil 2

Am nächsten Tag Weiterfahrt nach Samana. Unterwegs Stopp an der Playa Grande, wo ich auch vor 13 Jahren schon mal war. Der Strand ist immer noch wunderschön, aber auch hier wird viel gebaut. Wir haben nur Zeit für eine Cola, dann müssen wir auch schon weiter.

Ich habe noch kein festes Ziel in Samana und überlege unterwegs, ob wir nach Las Terrenas oder Las Galeras fahren sollen. Letzteres interessiert mich mehr, schon deshalb, weil ein gewisser Uwe dort im Frühjahr fast 4 Wochen verbracht hat.

Wir fahren daher nach Las Galeras. Nach Las Terrenas können wir dann an einem der nächsten Tage fahren.

Irgendwann sind wir dann endlich da, am culo del mundo , wie Uwe es genannt hat. An der Strand-Fritura esse ich einen pescado frito, lecker, aber noch leckerer ist das erste kalte presidente nach der langen Fahrt.

Wir finden ein kleines Hotel, wie das übrige Las Galeras fest in französischer Hand. Man sagt mir, dass morgen Deutschland-Italien gezeigt wird. Ich bin überrascht über das technische Equipment des jungen Franzosen, der das Hotel führt, überall W-Lan, Notebooks und ein Beamer für die Fußballübertragung. Ok, Fußball gucken ist sicher.

Las Galeras ist so, wie Uwe es beschrieben hat. Eigentlich noch ruhiger, wahrscheinlich wegen der Jahreszeit, am Strand sind wir fast allein.

Wie Italien- Deutschland ausgegangen ist, weiß jeder, ich habe das Spiel mit ca. 20 Franzosen, einem Italiener und einem Deutschen gesehen. Die Franzosen sehr objektiv mit leichten Sympathien für uns. Als kurz vor Schluß das erste Tor für Italien fällt, flippt der Italiener aus. Er rollt über den Boden wie ein tollwütiger perro, irgendwie schafft er es, dabei noch mit seinem Handy nach Italia anzurufen.

Ich glaube, eine gewisse Schadenfreude in den Augen meiner novia zu erkennen, die sich spitzbübisch mit dem italiano freut. Verräterin!

Ich verkünde vollmundig, dass ich ab jetzt für die grande nation halten werde, die im Finale Italien besiegen wird. Ein Irrtum, wie sich später herausstellen wird.

Am nächsten Morgen fahren wir über die Berge nach Las Terrenas, wo wir die Playa Cozon suchen und auch finden. Wir sind wieder allein am Strand, so weit das Auge reicht kein Mensch zu sehen. Was wir aber nicht finden, ist die schönste Bar der Welt, wie Henry sie nennt.

Auf dem Rückweg nach Las Terrenas noch ein Abstecher zur Playa Bonita, danach in einem comedor wieder comida criollo. Ich bestelle mir salcocho, das erste Mal überhaupt, dass ich das probiere. So gestärkt fahren wir wieder zurück nach Las Galeras. Abends dann im Vorbeigehen noch ein wehmütiger Blick auf die von Uwe beschriebene Freiluftdisko, wohin wir aber mit unserer Kleinen nicht gehen können. No armas, drogas, menores !!

Am nächsten Tag brechen wir zum Mann in den Bergen in Jarabacoa auf, die Fahrt führt durch das Cibao und vor San Francisco de Macoris schaffe ich es zum einzigen Mal auf der Reise, mich zu verfahren. Der Umweg ist aber nicht weiter schlimm und nachmittags gegen drei sind wir in Jarabacao.

Tim holt uns mit der passola ab und wir gehen erst mal ein kaltes Bier zischen. Wir beziehen unsere Wohnung in Tim´s http://www.guesthouse-jarabacoa.com/
wo wir uns sofort sehr wohl fühlen. Unsere Kleine hat mit den Kindern von Tim und Alex schnell neue Freunde zum Spielen gefunden.

Am nächsten Morgen fahren wir mit Tim zum Salto de Jimenao, die novia hat auf den schwankenden Hängebrücken dorthin wieder Probleme mit der Höhenangst. Aber Tim geht mit sicherem Schritt voraus und wir schaffen es alle dorthin. Zur Belohnung gibt es ein :bier:

Nachmittas besuchen wir einen Freund von Tim, der seit 26 Jahren auf der Insel lebt. Gebürtig aus dem Schwarzwald und jetzt ein dominicano de pura sepa.

Anderentags machen wir mit Tim und Alex einen Ausflug zum Rio Yaque del Norte, wo ich unbedingt mal schwimmen will. Das glasklare Wasser ist erfrischend, schön kalt, während sich die anderen mit einem presidente abkühlen.

Abends dann noch mal in die Stadt zum Parque, wo wir was essen und anschließend noch ein Bierchen trinken.

An einer Ecke beschallt ein Jeep den Parque mit der neuesten Mucke, der Kofferraum besteht nur aus Lautsprechern, wenigstens 2 x 2000 Watt. La república de la bulla. Damit könnte man das Olympiastadion in Berlin beschallen. Apropos Olympiastadion, heute war das Finale und der italiano in Las Galeras ist jetzt wahrscheinlich völlig abgedreht. Nicht mehr wirklich wichtig.

Bevor ich Tim und Jarabacoa kennengelernt habe, habe ich mich immer gefragt, warum es ihn ausgerechnet dorthin verschlagen hat. Inzwischen kann ich gut verstehen, warum er sich dort niedergelassen hat. Jarabacoa hat wirklich etwas, nicht nur wegen seiner Lage und dem angenehmen Klima in den Bergen. Du hast es gut angetroffen dort, Tim. Und nochmals vielen Dank für alles.

Am nächsten Morgen geht es zurück nach Boca Chica, wo wir die letzten Tage mit der Familie verbringen wollen und Freunde treffen wollen.

Einen Nachmittag fahren wir an den Strand von Andrés, an die boca de goma, um eine deutsche Freundin und ihren dominikanischen Mann zu treffen. Ortskundige Kenner hatten mich eindringlich davor gewarnt, dorthin zu fahren, mucha delincuencia, aber el mayimbe kennt keine Angst.

Ich finde es toll dort, nur dominicanos am Strand, gute Musik, gutes Essen, gute Preise. Wir bleiben bis 10:00 Uhr abends, bei der Heimfahrt im Dunkeln wird man dann doch einiger merkwürdiger Gestalten gewahr.

Ich habe versprochen, mit der Mama meiner novia und soviel Leuten, wie ins Auto passen, nach Haina zu fahren, um eine Schwester der Mama zu besuchen. Das bedeutet aber, ein weiteres Mal mit dem Auto durch Santo Domingo zu fahren, was nicht wirklich viel Spaß macht.

Wir wollen nachmittags um 2:00 Uhr losfahren, ein dominikanisches Viertelstündchen später, d.h. um 4:00 Uhr fahren wir dann tatsächlich los. Große Tränen bei denen, die nicht mitfahren können, weil das Auto voll ist.

Nach einem Wolkenbruch steht in Santo Domingo ein Straßenabschnitt auf gut 100 m Länge in einer Senke einen guten Meter unter Wasser, es gibt aber kein Zurück mehr, überall Stau, ich muß da durch. Vor mir saufen die ersten PKW ab, weil ihnen das Wasser in den Auspuff läuft. Die Leute stehen fast hüfthoch im Wasser, um zu schieben, während ein freundlicher Trucker neben mir allen zeigt, dass er eine Hupe hat und eine Bugwelle wie die Aida vor sich herschiebt. Diese klatscht den Schiebenden zielgenau in den Nacken. Ich bete zum Gott Honda, dass mir die Karre nicht absäuft und schaffe es tatsächlich, unbeschadet aus diesem Chaos herauszukommen.

Irgendwann sind wir dann in Haina, aber es stellt sich heraus, dass niemand weiß, wo die tia Beba wohnt. Also fragen, wo wohnt Doña Beba, la mama de Miguelito? Es stellt sich weiter heraus, dass es in Haina offenbar mehrere Bebas gibt, deren Sohn Miguelito heißt.

Es vergeht eine halbe Stunde mit Suchen, dann steht sie plötzlich vor uns. Die alten Damen, Mama und Doña Beba, haben sich lange nicht gesehen und liegen sich in den Armen. Ein kleiner Trost für diese Fahrt mit Hindernissen. Ich beschließe für mich, dass die Damen beim nächsten Mal besser mit dem guagua fahren.

Die Rückfahrt verläuft ohne Probleme, immer an der Küste und dem malecón entlang.

Der nächste Tag ist schon der letzte Urlaubstag, Alessandro, ein Freund aus SDQ, der auch schon mal zu Besuch in Deutschland war, kommt nach Boca Chica raus, weil er versteht, dass ich keine Lust mehr habe, nochmal mit dem Auto ins capital zu fahren. Wir quatschen den ganzen Nachmittag und die Zeit vergeht wie im Flug.

Am nächsten Morgen Kofferpacken, nochmal bei der Familie vorbei, um sich zu verabschieden, ich verschenke meine nagelneuen Fußballtrikots von Deutschland, Brasilien und Argentinien an Neffen und Brüder der novia. Ich hatte gehofft, mir das Weltmeistertrikot auf dem Rückflug anziehen zu können. Nee, Trikot von Italien hatte ich nicht dabei.

Rückflug mit Iberia trotz vorherigem Streik pünktlich und ohne probs, aber als wir dann zu Hause sind, sind wir auch schon 20 Stunden unterwegs und entsprechend müde.

Fazit:
Eine schöne Reise, auch ein bißchen anstrengend, auf so einer Rundreise vergeht die Zeit noch schneller als sonst schon, viele interessante Leute kennengelernt und ein paar Ecken, wo ich bestimmt noch mal hinfahre. Stell schon mal das Bier kalt, Tim.