Kleingewerbe in der DomRep

DecadeOne
Hola,

ich war schon einige Male in der Dominikanischen Republik und liebe das Land. Ich war nicht in einem Ressort, sondern in Puerto Plata und Umgebung. Ich würde sagen, ich kenne die Stadt ein schon ein wenig und habe bereits Freunde gefunden, die ich dort besuchen kann.

Ich habe mich jüngst mal mit einigen Freunden über das Arbeits- und Wirtschaftsleben unterhalten und sie sagten mir getrennt voneinander unisono: Angestellt sein bringt nicht viel. Man weiß es ja!

Aber jeder sagt, ein "Business" (auch schon ein kleines) läuft besser. In der Stadt gibt es eine Menge Kleingewerbe (Friseursalons, Colmados = kleine Lebensmittelläden, Kleidergeschäfte, Reparaturwerkstätten, Lotterieläden, Internetcafes...). Mal abgesehen von den kriminellen Geschichten, die ich damit nicht meine.
Sogar auf dem Land versucht sich so mancher an einem Lottoladen oder einem Colmado.
Ich hatte den Eindruck, diese "Lädchen" in Puerto Plata waren mit Ausnahme der Internetcafes recht gut besucht und es schien mir teils so, dass die Kapitalinvestionen dafür nicht gerade besonders hoch sind.

Laufen diese "Kleinstbetriebe"? Habt ihr da mal was gehört? Kommen die Leute damit besser klar, als wenn sie irgendwo als Arbeitnehmer angestellt sind? Gibt's in der DomRep noch mehr so exotische Geschäftsmodelle, die dort laufen?

Prospero año nuevo a todos

DecadeOne
Planner
Man kann nicht allgemein davon ausgehen, dass diese Läden laufen. Vor allem bei den Colmados ist vieles eine Verlegenheitslösung, um wenigstens einige Pesos zuzuverdienen, weil der reguläre Verdienst nicht reicht. Viel wird dabei auch nicht verdient, und die Kalkulationsbasis ist manchmal auch falsch. Da wird für den Privatgebrauch aus dem Laden entnommen, und wenn neue Ware gekauft werden muss, ist kein Geld da. Viele Läden machen auch nur deshalb kein Defizit, weil das Haus Eigentum ist und daher keine Ladenmiete gezahlt werden muss.

Gemessen an dem Einkommen vor Ort, gibt es eindeutig zuviele Läden aller Art. Betriebswirtschaftlich rechnen sich die wenigsten.

Ich weiss dies, weil meine Schwiegermutter auch einen Colmado hat, und normalerweise trägt der nicht viel zum Familienverdienst bei. Einigermassen läuft das Geschäft nur, wenn meine Frau und ich oder meine Schwägerin anreisen und einiges mitbringen, was man zu niedrigen Preisen ganz gut verkaufen kann, zB Süssigkeiten, kleines Spielzeug oder ähnliches. Das ist dann aber immer ein Geschenk von und an die Familie, d.h. wenn wir uns den Einkaufspreis zurückgeben lassen würden, bliebe auch kaum was übrig.

Andere Läden - zB bei Friseursalons - laufen vielleicht, aber es wird viel angeschrieben. D.h. es gibt vielleicht Umsatz, aber das Geld kommt nur sehr zögernd rein.

Reich werden kann man mit den Länden nur selten. Auch nur den Lebensunterhalt sichern wird nicht einfach.
soosi
hallo,planner
die verwandschaft meiner familie betreibt auch einen colmado im campo,und sie kommen damit so einigermassen zurecht.
im prinzip hast du recht,sie sagen aber auch das das geschäft im anschreiben liegt,weil die wenigsten am ende des monats beim bezahlen wirklich nachrechnen.(da bleibt unterm strich schon was über)


was ich davon halten soll,sei dahin gestellt wenn man arme leute noch betuppt,aber so ist das leben dort,jeder ist sich selbst am nächsten mal grob gesagt


saludos y suerte
soosi
kajo1503
Hola
Eine Bekannte von mir hat einen Colmado in Las Terrenas . Sie betreibt den Colmado und ihr Mann geht aber noch arbeiten . Wieviel am Monatsende übrig bleibt weiß ich nicht. Sie brauchen auch keine Miete zu bezahlen weil es ihr Haus ist und sie dort wohnen . Am Wochenende treffen sich viele dort um zu tanzen und was zu trinken . Ich denke sie kommen ganz gut klar .
Wenn man dort ein Geschäft eröffnet sollte man das nicht zu Lasten der armen Bevölkerung machen . Aber das muß jeder für sich selbst entscheiden .

Muchos Saludos
Planner
Auf dem Lande wird man mit einem Colmado wohl besser klarkommen, weil es dort einfach weniger Läden und keine Supermärkte gibt und der Colmado für die Versorgung viel wichtiger ist.

In einer größeren Stadt wie Santiago oder auch Puerto Plata wird es schon deutlich schwieriger, allein von einem Colmado zu leben. Einerseits wegen der Supermärkte, die ja teilweise wirklich klasse ausgestattet sind und andersereits wegen der größeren Konkurrenz mit anderen Colmaldos. Hier dient der Colmado - ähnlich wie die Trinkhalle im Ruhrgebiet - nur zum Kauf dessen, was man schnell braucht und was man im Supermarkt vergessen hat. Das bedingt aber auch, dass man bis tief in die Nacht erreichbar sein muss. Normalen Ladenschluss kann man vergessen.

Die Frage von decadeone lief ja darauf hinaus, ob man als Selbständiger mit diesen Läden mit diesen Läden seine Existenz fristen kann. Und da bin ich skeptisch.

Wenn die Dominikaner sagen "Angestellt sein bringt nicht viel", dann ist das mit Vorsicht zu genießen. Sehr geschätzt ist natürlich die Freiheit des Nicht-Angestellten, seine Arbeitszeit und seine Freizeit selbst zu bestimmen. Und wenn man nicht klarkommt, fällt man in ein Familiennetz. Der geringe Kündigungsschutz in der DR trägt wohl auch zu dieser Einstellung bei.

Und man darf nicht vergessen, das manche Geschäfte wirklich gut laufen. Vor einiger Zeit war man ein Artikel in einer dominikanischen Zeitung über Motoconcho-Fahrer, die offenbar wirklich ganz gut verdienen. Auch als Handwerker, der was kann (Maurer, Zimmermann, Elektriker) steht man teilweise sehr gut da.

Aber in den überbesetzten Branchen wie Colmado, Gastronomie, Friseur, Lotterieverkauf etc. wird man wohl nur schwer auf einen grünen Zweig kommen.
DecadeOne
Hola,

es liest sich wirklich interessant, was ihr hier so schreibt. Ich habe kürzlich von einem Deutschen gehört, der einen Colmado eröffnen will (so nebenbei). Mal sehen, was daraus wird.

Ich habe auch Leute kennengelernt, die privat Sprachunterricht geben und sich Geld dazu verdienen. Es gibt es sicher viel Bedarf, aber wenig Geld. Ich habe aber den Eindruck, dass die Leute zunehmend lernen wollen. Einer war so clever und ist in Luperon zu den reichen Yachtbesitzern hin, um dort Spanisch zu unterrichten. Reich geworden ist er leider damit auch nicht, weil er doch recht oft versetzt worden ist. Aber wenn es mit den Terminen geklappt hat, hatte er nach an einem guten Sonntag schon mal 2000 Peso in der Tasche.

Saludos,

DecadeOne
Holzer
Also ich habe ja seit 3 Jahren eine kleine Farmacia in Higüey aber reich bin ich auch noch nicht geworden.
Damit ich hier halbwegs meinen europäischen Lebensstandard beibehalten kann und meinen Kinder
europäischen Standard bieten kann bin ich 76 Stunden die Woche im Geschäft.
Planner
Zitat:
Damit ich hier halbwegs meinen europäischen Lebensstandard beibehalten kann und meinen Kinder
europäischen Standard bieten kann bin ich 76 Stunden die Woche im Geschäft.


Na ja, aber wenn das europäischer Standard ist, den Du hälst, ist das für dominikanische Verhältnisse doch sehr gut, oder?
Holzer
Klar doch hab mich ja auch nicht beschwert sondern diente zur Information dass man mit Kleingewerbe durchwegs überleben kann wenn man richtig wirtschaftet.